Enge und Ungewissheit

Bericht aus einer Unterkunft vom Abend des 17.09.2015
Gestern Abend bin ich mit anderen Helfern bei einer Unterkunft in Frankfurt gewesen, um mit den Geflüchteten zu reden und sich über ihre aktuelle Situation auszutauschen. Einige der geflüchteten Menschen kenne ich, seit ich vorletzten Samstag mit zum Dolmetschen in die Unterkunft gefahren bin. Mehrere Leute aus der Unterkunft erzählten uns, außerhalb der Turnhalle, was sie in den letzten Tagen erlebt haben.  Vielen Leute fällt es schwer dort zu schlafen.  Alle geflüchteten Männer ohne Familie schlafen eng nebeneinander in einem Drittel der Turnhalle. In einem anderen Drittel haben Familien mit Kindern und alleinstehende Frauen ihre Betten. Das vordere Drittel ist der Aufenthalts- und Essensraum mit  Tischen und Bänken und einem Kicker. Schätzungsweise würden mittlerweile  ca. 150 Leute in der Turnhalle leben. Viele Leute wissen nicht, was sie den ganzen Tag dort machen sollen, weil es keine anderen Möglichkeiten gibt.

Außerdem sind sie tagsüber weitgehend allein gelassen. Hin- und wieder sind andere Leute da und gehen wieder. Den Geflüchteten wird allerdings nicht vermittelt, wer diese sind und warum sie anwesend waren. Professionelle Übersetzer, die z. B. im Falle eines individuellen Notfalles dolmetschen könnten sind nicht vor Ort. Diese Aufgabe obliegt zufällig den anwesenden Security-Leuten mit Migrationshintergrund, da einige von ihnen z. B. arabisch sprechen. Ein anderer Geflüchteter erzählte uns, dass einige Tage vorher ein Baby lange geschrien habe.  Daraufhin habe er einen anwesenden Arzt gebeten, nach diesem Kleinkind zu schauen. Dieser Bitte wäre dieser erst nach nochmaliger zweimaliger Aufforderung, dass das Baby medizinisch versorgt werden müsse, nachgekommen. Bis dahin habe dieser in Ruhe seinen Kaffee getrunken. Ein anderer Geflüchteter z. B,  hat mir schon vor etwa zwei  Wochen erzählt, er habe Probleme mit dem Magen, weil er irgendwann zuvor eine Operation am Magen hatte. Er mache sich große Sorgen, was bei ihm gesundheitlich genau los ist. Eine angemessene medizinische Untersuchung oder Versorgung hat er bisher nicht bekommen. Während ich dann mit einem anderen Geflüchteten am kleinen Begrenzungszaun vor der Turnhalle (den ich nicht überqueren durfte) unterhielt, lief eine Frau mit einem schreienden Baby im Arm hin und her und versuchte es zu beruhigen, was ihr nicht wirklich gelang. Daraufhin gab es einen heftigen Streit zwischen den anderen Helfern und soweit ich`s mitbekommen habe der Security, bzw. dem anwesenden Rot-Kreuz-Mitarbeiter. Den Inhalt habe ich nicht mitbekommen.  Daraufhin fragte ich meinem Bekannten, ob diese Situation mit schreienden Kindern, die kaum zu beruhigen sind, öfters vorkomme. Er meinte, dies wäre dort Alltag.  Eine Frage, die immer wieder aufkam, und welche die meisten Geflüchteten dort sehr beschäftig ist, wann  sie registriert werden. Da es von offizieller Seite keine Informationen über die Dauer des Aufenthaltes in der Turnhalle oder irgendwelche anderen Informationen gibt, haben viele dort Angst, was wegen der fehlenden Registrierung alles noch mit Ihnen passieren könnte. 

Michael

Frankfurt, 18.09.2015

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