Bericht vom 15.09.15, Hauptbahnhof Frankfurt

15.09.-1

Am Nachmittag des 15.09. wurde nach Anfrage eines Stadtverordneten der Linkspartei bei der Bundespolizei bekannt, dass in der Nacht ein Sonderzug mit mehreren hundert Flüchtlingen in Frankfurt ankommen wird.

Um 0:00 befanden sich auf Gleis 24 ca. 250 Menschen, darunter viele Kleinkinder. Sie waren nicht mit Decken oder Feldbetten versorgt. Die Einsatzleitung, Herr Bosenbecker wurde gefragt, ob Busse kommen, um die Menschen in die Unterkünfte zu bringen. Die Antwort war: „Warum?“ – Weil viele Menschen bereits warten. Antwort: „Ich guck mal.“ Daraufhin ging er in die Bahnhofshalle und machte ein Foto von der Menge und telefonierte.

Um 0:30 wurde Herr Spohler von der Feuerwehr angesprochen, wie die Menschen hier versorgt werden. Er stellte die Gegenfrage, wer ich sei. Antwort: Helfer. Seine Antwort: Ich mache mir gerade erst ein Bild.

Um 0:45 wurde die Einsatzleitung mit der Information konfrontiert, dass weitere 450 Menschen mit einem Sonderzug kommen. Auf die Frage, was getan werde sagte die Leitung: Inshallah wird niemand hier schlafen müssen.

Gegen 1:00 wurde bekannt, dass die Bundespolizei den Transport nach Wiesbaden in Turnhallen will, die Feuerwehr sich aber damit überfordert sieht.

Gegen 2:00 verließen ca. 150 Menschen das Bahnhofsgebäude, weil sie nicht in die Unterkünfte wollten. Sie verirrten sich in den Straßen und wussten nicht wohin. Übersetzer übten Druck auf sie aus und brachten sie in das Bahnhofsgebäude zurück. Auch die Übersetzer wussten nicht, wie sie die Menschen aufzuklären haben.

Gegen 2:30 kamen mehr Polizeikräfte am Bahnhof an.

Gegen 2:45 sollten die Helfer auf Anweisung der Polizei mit den Tischen mit Lebensmitteln eine Gasse bilden, damit die Menschen schnellstmöglich in die Busse geschleust werden.

Dies geschah, daraufhin gab es eine Diskussion unter den Helfern und die Mehrheit entschloss sich, diese Gasse wieder abzubauen, damit die Flüchtlinge in Ruhe ankommen können und warten können, ob sie weiter fahren oder in die Unterkünfte gehen. Die Polizei setzte daraufhin die Leiter der Hilfskräfte unter Druck und diese setzten durch, dass sie Gasse wieder zum Teil aufgebaut wird.

Gegen 3:10 kam der Zug an. Die Menschen gingen auch in den Bereich zu den Tischen. Dort wurden sie nach und nach von der Polizei zurückgedrängt und in die Busse gebracht. Der Druck war sehr groß, viele Menschen hatten Angst. Viele wollten nicht in die Unterkünfte, weil sie weiter fahren wollten oder weil sie Angst hatten vor dem was dort auf sie wartet.

Eine Familie mit einer sehr alten Frau, jungen Eltern und einem Baby war sehr erschöpft und völlig verzweifelt und hatte große Angst, ebenso wie andere Familien.

Einige der Helfer und Übersetzer übten sehr großen Druck auf die Menschen aus und schrien sie an. Eine Familie mit zwei kleinen Kindern war sehr eingeschüchtert. Ein Übersetzer brüllte sie an und forderte sie auf sofort in den Bus zu steigen. Die Familie war sehr erschrocken und ging mit.

Gegen 4:00 waren keine Menschen mehr am Bahnsteig.

Resümee:
Die Einsatzleitung hat sehr spät auf die Situation reagiert.
Es gab keine Aufklärung der Menschen, was mit ihnen passiert und welche Rechte sie haben.
Es wurde keine Rücksicht genommen, wer wo hin wollte oder in welchem Zustand jemand war.
Wenn es eine Vorbereitung auf die bekannte Situation gegeben hätte, hätte man gewährleisten können, dass Menschen in Ruhe versorgt werden, entweder weiter fahren oder in die Unterkünfte gebracht werden und vor allem über ihre Rechte aufgeklärt werden können.
Die Verantwortung für diesen fahrlässigen Umgang mit Schutz suchenden Menschen liegt bei der Einsatzleitung und bei den übergeordneten Instanzen.

 

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