Wir fordern einen Raum für offene Begegnung in Fechenheim

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Der Stadtteil Fechenheim gehört zu den Stadtteilen in Frankfurt, die viele als abgehängt beschreiben. Die Verkehrsanbindung ist eher schlecht, mit 10% Erwerbslosenanteil unter de 16,500 Einwohnerinnen und Einwohnern, hat Fechenheim mit die höchste Erwerbslosendichte in Frankfurt am Main. Das Neckermanngebäude liegt in der Nähe einer der größten Wohnsiedlungen in Fechenheim, die in der Adam-Opel-Straße beginnt.

Wir haben den Eindruck, dass es auch hier in der Bevölkerung – wie überall auch – eine gespaltene Haltung zur so genannten „Flüchtlingsfrage“ gibt. Es gibt sehr viele Menschen, die offen sind und helfen wollen, es gibt diejenigen die diffuse Ängste haben, aber auch feindlich gesinnte Anwohnende. Ohne Vermittlung werden die Spaltungen nur vertieft. Die Stärkung derjenigen, die weiterhin solidarisch sein und helfen wollen, sehen wir als eine unserer Aufgaben. Damit die Menschen, die zu uns flüchten, herzlich und menschlich empfangen werden und damit sie nicht alleine gelassen sind – mit Gesetzen, die sie nicht kennen und verstehen, mit Anfeindungen, mit ihren Sorgen und Traumata.

Deshalb sind wir dieser Tage in Fechenheim unterwegs, sprechen mit den Menschen, mit Ladenbesitzern und Ansässigen über die Lage und über unser Vorhaben einen offenen Begegnungsraum in Fechenheim zu schaffen. Bisher haben weder das Land Hessen, noch die Stadt Frankfurt auf diese Anfrage eine positive Antwort geben können. 

In Fechenheim stehen viele Gewerbeflächen leer. Fechenheimerinnen und Fechenheimern berichteten uns, dass z.B. die alte Post leersteht. Angeblich zahlt die Stadt Frankfurt hier auch monatlich schon Miete für diesen Raum Wir würden gerne wissen, ob das so ist. Wenn ja: was würde dagegen sprechen den Raum als einen Begegnungsraum zu nutze? Er ist zentral gelegen und auch für die Geflüchteten zu Fuß gut erreichbar. Wir wollen uns am Freitag um 17 Uhr vor Ort treffen und laden ganz herzlich dazu ein. Verantwortliche der Stadt Frankfurt werden wir auch dazu einladen.

 

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Bericht von unserem Besuch in der Massenunterkunft „Neckermann“

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hier der lange Bericht als pdf.

Wir waren von der Einladung des Regierungspräsidiums überrascht und hatten uns mit vielen Fragen vorbereitet. Zwei Mitarbeiterinnen des Regierungspräsidiums Darmstadt, genauso wie die Mitarbeiterin und die Mitarbeiter des ASB (Arbeiter Samariter Bund) nahmen sich viel Zeit und beantworteten unsere Fragen mit viel Geduld.

Der Besuch fand am Montag, 15.02.2016 statt. Sie dauerte ca zweieinhalb Stunden.

An dieser Stelle möchten wir auch ausdrücklich betonen, dass wir den Eindruck hatten und auch haben, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich wirklich und aufrichtig Mühe geben, die Umstände so weit sie können zu verbessern.

Das Grundproblem sehen wir aber in der Art der Massenunterbringung. Darin bestärkte uns unser Gesamteindruck bei der Begehung. Da wird die eine oder andere Verbesserung zwar etwas Entlastung oder Erleichterung bringen, doch die – vor allem – psychische Belastung bleibt. Dafür können weder die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter etwas, noch können sie es einfach mal so ändern.

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Einen Schritt weiter!

Am vergangenen Freitag, den 05. Februar 2016 fand unsere Veranstaltung zum Thema „Massenunterkunft Neckermann“ statt. Mit unserem Offenen Brief hatten wir auf die Berichte der Geflüchteten aufmerksam gemacht, die uns von den untragbaren Zuständen in dieser Massenunterkunft berichteten. Wir konnten und wollten nicht, als kleine Initiative, die Verantwortung für diese Informationen, die an uns herangetragen wurden, übernehmen. Deshalb hatten wir verschiedene Menschenrechtsorganisationen und auch die Verantwortlichen von Land und ASB eingeladen, um über die Möglichkeiten der Verbesserung, aber auch um über unsere Forderung nach einer unabhängigen Beobachtungsgruppe zu sprechen. Leider waren die Vertreter des Trägers der Massenunterkunft, der Arbeitersamariterbund (ASB) und des Landes Hessen nicht zugegen.

Nachdem unser Offener Brief in der Presse aufgenommen und besprochen wurde, waren auch engagierte Frankfurterinnen und Frankfurter auf die Veranstaltung aufmerksam geworden. Wir freuten uns ganz über den zahlreichen Besuch bei der Veranstaltung. Es waren über 50 Menschen gekommen, auch freiwillige Helferinnen und Helfer. Sie hatten Kritik, Lob und gute Ideen mitgebracht.

Vertreter von Pro Asyl, Hessischem Flüchtlingsrat, Kinderschutzbund, der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, der Diakonie, der evangelischen Beratungsstelle am Weißen Stein, aber auch – wenn auch lediglich als private Gäste – Mitarbeiterinnen der Stabsstelle Flüchtlinge der Stadt Frankfurt am Main – waren zugegen und brachten sich in die Diskussion ein.

Besonders erfreulich fanden wir, dass die Forderung nach einer unabhängigen Beobachtungsgruppe sehr positiv aufgenommen wurde. Da uns kurz vorher eine email des Regierungspräsidiums mit dem Angebot einer Begehung der Neckermann-Unterkunft erreicht hatte, gehen wir auch mittlerweile davon aus, dass die Umsetzung unserer Forderung nicht allzu unrealistisch ist. Wir werden so schnell wie möglich eine erste Begehung mit Vertretern von Menschenrechtsorganisationen mit dem Regierungspräsidium vereinbaren.

Des Weiteren haben wir mehrere Vorschläge seitens der Besucherinnen und Besucher aufgenommen und möchten diese gerne bald in die Tat umsetzen:

Es wurde vorgeschlagen einen Begegnungsraum zu fordern, in dem sich Geflüchtete und Helfende, genauso aber auch Interessierte treffen und austauschen können. Ein Besucher erinnerte uns daran, dass Frau Birkenfeld im Rahmen der Informationsveranstaltung über „Neckermann“ in Fechenheim schon im Dezember 2015 vorgeschlagen hatte, dass eine  so genannte „graue Zone“ im Neckermann-Gebäude eingerichtet werden könnte, die wir lieber „Begegnungsraum“ nennen möchten. Wir möchten nun Frau Birkenfeld daran erinnern und konkrete weitere Schritte in diese Richtung planen.

Ein Beitrag seitens einer Helferin bezog sich auf das gemeinsame Interesse der Geflüchteten und Helferinnen und Helfer, wenn es um menschenwürdige Verhältnisse gehe. Wir alle wünschten uns doch bessere und würdige Lebensverhältnisse. Aus dieser Perspektive wäre es sinnvoll, wenn es einen Rat der Geflüchteten und Helfenden geben könnte, bei der wir uns auf Augenhöhe über unsere Forderungen gegenüber  Staat und Trägern austauschen könnten. Auch dieser Vorschlag wurde sehr positiv aufgenommen.

Eine Teilnehmerin der Veranstaltung berichtete, dass es auch in Offenbach in der großen Unterkunft keine haltbaren Zustände seien und dass es dort auch schon zu einem Proteststreik gekommen sei. Davon hatten wir leider nichts mitbekommen. Wie wir uns mit den Helfenden dort vernetzen können, müssen wir noch überlegen.

Des Weiteren wurde der Vorschlag für eine Forderung nach einer unabhängigen Beratungsstelle in Massenunterkünften allgemein eingebracht. Wir hatten schon vor der Eröffnung der Neckermann-Unterkunft diese Forderung auf der Informationsveranstaltung des Landes und der Stadt formuliert, aber leider nicht mehr verfolgt. Wir nahmen den Vorschlag auf und werden ihn ausformulieren.

Bernd Mesovic von Pro Asyl führte aus, dass gerade bei den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes vieles noch unklar sei, wie zum Beispiel wie lange die Menschen dort bleiben sollen und ob ihre Asylverfahren eventuell dort abgeschlossen werden und dann von dort Abschiebungen stattfinden sollen. Während bei Unterkünften der Stadt Frankfurt vor allem über die Bedingungen gesprochen werden müsse, kämen bei den Einrichtungen der Bundesländer diese Fragen hinzu.

Selbstkritisch müssen wir anmerken, dass es uns im Vorfeld der Veranstaltung und im Offenen Brief nicht gelungen ist, uns positiv auf die engagierte Arbeit von freiwilligen Helferinnen und Helfern zu beziehen und uns mit ihnen zu solidarisieren. Einige Helfende haben den Offenen Brief als Kritik ihres Engagements wahrgenommen. Ein Helfer sagte auch, dass er das nicht als Kritik gegen die Helfer verstanden habe, weil es so nirgends im Offenen Brief formuliert wurde. Wir gehen davon aus, dass es auf beiden Seiten einen Perspektivwechsel braucht: wir müssen darüber nachdenken, wie wir besser auf die freiwilligen Helfenden zugehen und einige der Helfenden könnten darüber nachdenken, warum sie den Offenen Brief „als Schlag ins Gesicht“ wahrgenommen haben. Die Darstellung in der Frankfurter Rundschau, nach der es bei der Veranstaltung nur Kritik seitens der Helfenden gegeben hätte, verwundert uns aber doch ein wenig. Erstens entspricht diese Darstellung schlicht nicht der Wahrheit. Es gab Kritik, aber diese Kritik war unserer Ansicht nach erstens eine konstruktive Kritik und zweitens wurde sie auch in diesem Sinne aufgenommen und führte zu dem sehr erfreulichen Ergebnis, dass gerade die kritischen Helferinnen und Helfer sich für eine zukünftige Zusammenarbeit aussprachen. Wir können alle aus unseren Mängeln und Fehlern nur lernen und gemeinsam lernt es sich erfahrungsgemäß am besten.

Aufbauend auf dieser positiven Stimmung möchten wir die nächsten Tage planen. Die Begehung des Neckermann-Geländes mit Vertretern der Menschenrechtsorganisationen steht als nächstes auf dem Plan. Dann werden wir gemeinsam mit den Geflüchteten und Helfenden genau ausarbeiten, wie eine unabhängige Beobachtungsgruppe sich konstituieren könnte, nach welchen Regeln sie arbeiten wird. Im Laufe dieser Zeit werden wir weiterhin aus der Unterkunft berichten und alle Mängel, die seitens der Geflüchteten an uns herangetragen werden, in die Öffentlichkeit tragen. 

Also wie gesagt: wir bleiben dran!

Welcome Frankfurt

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Massenunterkunft „Neckermann“: Nächste Termine

Die schlimme Situation in der Massenunterkunft „Neckermann“ erfährt Aufmerksamkeit. Ein zweiter Artikel der Frankfurter Rundschau hier.
Am Mittwoch und am Donnerstag wollen wir vor dem Neckermann-Gebäude mit Geflüchteten sprechen, ihre Berichte dokumentieren und ihre Forderungen für die Veranstaltung am Freitag vorbereiten. Dazu haben wir auch Menschenrechtsorganisationen eingeladen.
Am Mittwoch ist die nächste Welcome-Versammlung, wo wir über die Lage in und um Neckermann sprechen und die nächsten Schritte besprechen wollen.
 
Hier die Termine in der Übersicht:
Mittwoch, 03.02.16, 14:00: Gespräche mit Geflüchteten vor dem Neckermann-Gebäude.
Mittwoch, 03.02.16, 19:00: Welcome-Versammlung, Saalbau GallusFrankenallee 111
Donnerstag, 04.02.16, 16:00: Gespräche mit Geflüchteten vor dem Neckermann-Gebäude.
Freitag, 05.02.16, 17:00: Veranstaltung zur Massenunterkunft „Neckermann“ im DGB-Haus, Wilhelm-Leuschner-Str. 69
 
Es wäre gut, wenn viele kommen, um die Geflüchteten in ihren Forderungen zu unterstützen.
 
 
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Erste Pressereaktion auf den Offenen Brief

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Die Frankfurter Rundschau vom 30.01.16 berichtet über den Offenen Brief von Welcome Frankfurt. Dort werden auch Behördenvertreter und Vertreter des Trägers zitiert. Deren Angaben bezüglich der Situation in der Massenunterkunft sollten schnellstmöglich von unabhängigen Beobachterorganisationen überprüft werden.
http://www.fr-online.de/zuwanderung-in-rhein-main/fluechtlinge-in-frankfurt-fluechtlingshelfer-schlagen-alarm,24933504,33676304.html

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Massenunterkunft „Neckermann“ schließen: Offener Brief von Welcome Frankfurt

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Diesen offenen Brief (hier als pdf) hat Welcome Frankfurt an zahlreiche Menschenrechtsorganisationen, Institutionen und die Presse versandt. Die Zustände in der Massenunterkunft „Neckermann“ sind unerträglich. Wir fordern die Schließung der Unterkunft. Solange dies noch nicht der Fall ist, fordern wir den ungehinderten Zugang durch eine Beobachtungsgruppe aus verschiedenen Menschenrechtsorganisationen. Einige sind schon angesprochen und haben Bereitschaft signalisiert. Wir stehen weiter in Kontakt mit den Geflüchteten in der Unterkunft. Am Freitag, 05.02.16 um 17:00 findet eine Veranstaltung im DGB-Haus, Wilhelm-Leuschner-Str. 69 statt. Dort können sich alle Verantwortlichen und Menschenrechtsorganisationen informieren und sich äußern. Interessenten für die Beobachtungsgruppe werden teilnehmen.

Offener Brief:

Sehr geehrte Damen und Herren,
wir wenden uns mit diesem Brief an Sie und Ihre Organisation aus einer Notsituation heraus. Wir – die Initiative Welcome Frankfurt – stehen in engem Kontakt mit den geflüchteten Menschen, die zurzeit im alten Neckermann-Gebäude in Frankfurt Fechenheim untergebracht sind.

Der Hilfeschrei der dort zusammengepferchten Menschen ist für uns nicht mehr ertragbar. Diese Unterkunft ist darauf ausgerichtet in einer menschlichen Katastrophe zu enden. Alle Einzelheiten, die wir hier in diesem Brief nur zusammenfassen können, machen deutlich, dass es kaum möglich sein wird diese Situation in nächster Zukunft zu beheben.

Die Menschen stehen unter einem starken psychischen Druck:
Mehr als 1000 Menschen mit unterschiedlichen kulturellem und sozialem Hintergrund, mit unterschiedlichen Sprachen und ohne Angebote leben dort auf engstem Raum, darunter mehrere hundert Kinder ohne Angebote, ohne die Möglichkeit die Schule zu besuchen, ohne genügend Warmwasser, ohne ausreichend sanitäre Anlagen, ohne ausreichende Ernährung. Seit Tagen wird uns berichtet, dass die Menschen hungrig bleiben und sich von ihrem wenigen Taschengeld Essen kaufen müssen, das sie dann nicht einmal mit in die Unterkunft nehmen dürfen. Die Behandlung seitens der Security führt zu ständig neuen Spannungen bis hin zu körperlichen Auseinandersetzungen. Die medizinische Versorgung ist unzureichend. Viele Kranke, sogar kranke Kinder werden nicht behandelt oder weitergeleitet. Vor diesem Hintergrund ist es klar, dass die psychische Last ein Klima der Resignation, der Gereiztheit und der Aggression hervorruft.

Wir vermuten, dass der Tatbestand der Kindeswohlgefährdung und der unterlassenen Hilfeleistung gegeben ist. Ein Flüchtling erzählte uns, dass er mit einem Kind, das starkes Fieber hatte sich an die Security wendete, weil der medizinische Dienst geschlossen hatte. Ein Schulterzucken war die Reaktion. Daraufhin sagte der Geflüchtete: „Soll er denn hier sterben, er braucht ärztliche Behandlung.“ Der Security-Mann entgegnete ihm: „Das ist mir doch egal.“ Die Security scheint ohne Schulung oder auch nur Sensibilisierung für die Arbeit mit Geflüchteten in diese Situation hineingesetzt worden zu sein.

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„Hier komme ich mir vor wie ein Krimineller!“

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Berichte der Geflüchteten aus „Neckermann“

Zusammenfassung am 25.Januar 2016

Uns wurden sehr viele Berichte zugesendet bzw. persönlich überbracht. Wir versuchen hier eine Zusammenfassung:

Ein Aspekt, der gerade für die Menschen, die vorher in der Fechenheimer Sportfabrik untergebracht waren, wichtig ist, ist dass ihre Gemeinschaft, die sie sich dort aufgebaut hatten nun auseinandergerissen wurde. Die ersten Ansätze von Selbstorganisierung waren da und jetzt müssen wir wieder neu aufgebaut werden. Wir werden das was wir tun können, tun damit die Geflüchteten sich selbst organisieren können.

Viele Dinge, unter anderem dass die Geflüchteten von der Sportfabrik im fünften Stock gemeinsam untergebracht sein werden, wurden einfach nicht eingehalten. Sie sind jetzt alle in unterschiedlichen Räumen unter 1200 neuen Leuten verteilt und müssen nach und nach Kontakt zueinander suchen. Uns wurde berichtet, dass insgesamt die Unterkunft so groß ist, dass man sich darin verliert. Schon der Abstand zwischen den Schlafplätzen und den Duschen scheint weit zu sein.

Durchsuchung der Taschen und Einsammeln von „scharfen Gegenständen“

Bei der Ankunft wurden die Taschen der Geflüchteten durchsucht und sie mussten Gegenstände aus Metall, auch Stricknadeln abgeben. Aus Sicherheitsgründen. Später haben wir erfahren, dass eine Frau ihre Stricknadeln zurückbekommen hat. Es hatte bei der Ankunft scheinbar geheißen, es könne ja zu Auseinandersetzungen kommen, deshalb will man keine scharfen Gegenstände bei den Leuten. Schon diese Tatsache allein deutet darauf hin, dass die Verantwortlichen selbst wissen, dass die Unterbringung von so vielen Menschen in solchen Lagern zu Konflikten führen müssen, zumal es ziemlich trostlos und frustrierend ist, dort zu verweilen. Einer der Geflüchteten sagte zu uns: „Hier komme ich mir vor wie ein Krimineller!“

Nicht genügend Warmwasser

Viele verschiedene Geflüchtete haben unabhängig voneinander uns berichtet, dass das Warmwasser sehr knapp ist. In den frühen Morgenstunden scheint es noch zu funktionieren, aber ab 8:00 Uhr / 9:00 morgens nicht mehr. Duschen ist unter solchen Umständen nur bedingt möglich, gerade für Kinder.

Zu wenig Essen, kein gutes Essen

Viele haben sich darüber beschwert, dass es zu wenig Essen gibt. Viele werden nicht satt. Zudem gab es auch mal einen Eintopf, den viele nicht essen konnten. Des Weiteren müssen sich für Frühstück, Mittagessen und Abendessen 1200 (noch sind nicht 2000 Leute dort untergebracht) für das Essen anstellen. Einer der Geflüchteten berichtete uns, dass man bei „Neckermann“ vor allem damit beschäftigt sei, in der Essens-Schlange zu stehen und am Ende doch nicht satt wird. Es gibt scheinbar auch nicht immer Kaffe und Tee und überhaupt heißes Wasser bzw. heiße Getränke. In der Fechenheimer Sportfabrik aber gab es durchgehend heiße Getränke.

Eigenes Essen mitbringen nicht erlaubt

Weder ist es erlaubt sich Essen von draussen mitzubringen, noch durften Geflüchtete bis jetzt selbst einen Wasserkocher benutzen, damit sie sich Tee kochen können. Das wurde von den Securities auch mit „Sicherheit“ begründet. Das Einkaufen von Essen belastet aber auch die Geflüchteten, weil sie sich aus ihrem Taschengeld extra Essen kaufen müssen.

Kinder

Für die Kinder gibt es keine Angebote bei „Neckermann“. Das Skandalöse aber ist, dass tatsächlich ungeachtet der gesetzlich festgelegten Schulpflicht die Kinder keine Schule besuchen können. Die Stadt Frankfurt hatte schon bei der Veranstaltung zu Neckermann im Dezember verlauten lassen, dass für die Zeit des Aufenthaltes in der Erstaufnahmeinrichtung „Neckermann“ die Schulpflicht aufgehoben sei. Als könnte die Stadt einfach die Schulpflicht aufheben. 

Internet 

Es gibt nur einen Internetraum und das Internet ist sehr langsam, wenn mehrere hundert Menschen Internet benutzen wollen. In diesem Raum gibt es weder Tische, noch Stühle. Alle müssen auf dem Boden sitzen. Ab 23:00 Uhr wird dieser Raum zugemacht. Der Grund dafür ist unbekannt. Anscheinend wurde seit heute eine Karte für den Internetraum eingeführt, der nur einen anderthalbstündigen Aufenthalt erlaubt. Es geht das Gerücht um, dass die Betreiber (ArbeiterSamariterBund) das Anbringen von Freifund-Routern nicht erlaubt. Wir werden überprüfen, ob das stimmt oder nicht.

Kleiderkammer

Es gibt zwar eine Kleiderkammer (darüber wurde in der Presse mit schönen Bildern berichtet), aber die Geflüchteten sind sehr unzufrieden, weil man pro Person nur 10 Minuten bekommt, um sich etwas auszusuchen. Das reicht einfach nicht aus, wenn man was in der eigenen Größe finden will.

Mobilität

Die Geflüchteten haben keine Fahrkarten. Sie sitzen mitten im Gewerbegebiet ziemlich weit ab vom Schuss. Wollen sie in die Stadt, sei es um in die Bibliothek zu kommen oder einfach mal rauszukommen, müssen sie das von ihrem kleinen Taschengeld bezahlen. Das ist fast unmöglich. Dieser Punkt ist allgemeiner Natur und hat jetzt nicht direkt was mit Neckermann zu tun, aber gerade weil Neckermann so weit ab vom Schuss ist, ist es hier noch schwieriger für die Geflüchteten.

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„Dann müsst ihr auf der Straße schlafen“

Am Ende ist es so gekommen, wie es die Geflüchteten befürchtet hatten.
Bericht vom Streik und Protest von Geflüchteten gegen ihre Verlegung in die Massenunterkunft „Neckermann“ in Frankfurt/Main am 21.01.16

Gegen 9:00 waren wir (Aktive von Welcome) vor der Sportfabrik Fechenheim. Dort ist auch schon die Fotografin der Frankfurter Neuen Presse. Fünf Busse parken vor der Unterkunft.

Wir unterhalten uns mit einzelnen Geflüchteten, die draussen stehen. Sie erzählen uns, dass sie in einer Versammlung einmütig beschlossen haben, nicht mitzugehen, sondern zu bleiben. Ihre Forderung ist klar: sie möchten nicht in eine Massenunterkunft. Sie befürchten, dass dort ihre Belange noch weniger gehört werden, als in einer Unterkunft mit ca. 300 Leuten.

Innerhalb der nächsten halben Stunde / Stunde kamen ungefähr 100 Geflüchtete raus aus der Unterkunft. Es entstehen Diskussionen zwischen den Geflüchteten. „Wir haben doch beschlossen, dass wir bleiben, warum geht ihr jetzt?“ ist zu hören. „Ja geht nur, wenn ihr Angst habt, wir bleiben“ und ähnliche Konversationen. Uns wird berichtet, dass die AWO-Helfenden und Securities den Geflüchteten erzählen, dass die Polizei kommen würde und sie richtig Ärger bekämen. Einige erzählen, dass man ihnen gesagt hat sie würden „Probleme für die Zukunft“ bekommen. Viele sind dadurch offensichtlich eingeschüchtert und nehmen ihre Koffer und steigen in die Busse ein. Immer wieder werden wir konsultiert mit Fragen wie: „Haben wir hier in der BRD als Geflüchtete, das Recht uns zu versammeln und Forderungen zu stellen?“, „Kann die Polizei uns hier einfach wegräumen?“ Wir sagen, dass es generell Menschen das Recht haben sich zu versammeln, aber auch dass man nicht weiß, was die Polizei tun wird. Auch wir wüssten nicht welche Herangehensweise die Polizei wählen würde. Jedenfalls sei es gut, dass die Presse und Beobachter da seien.

Diejenigen, die bleiben wollen, fangen an Schilder mit ihren Forderungen aufzuschreiben. Bis ca. 11:00 sind ungefähr 200 Geflüchtete mit den Bussen zu Neckermann gefahren. Rund 100 Geflüchtete mit Familen wollen weiterhin nicht dorthin fahren. Sie wurden in der Zwischenzeit vom AWO-Personal aus der Turnhalle herausgedrängt, insbesondere indem ihr Gepäck rausgetragen wurde und sie die Halle verlassen sollten. Hinter ihnen wurden die Türen verschlossen. 
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Kurz-Bericht vom Protest der Geflüchteten in Frankfurt-Fechenheim am 21.01.16

Wir waren den ganzen Tag an der Seite der Geflüchteten und haben sie in ihrem Protest gegen ihre Verlegung in eine Massenunterkunft begleitet. Wir sind voller Respekt vor ihrem Mut und ihrem klaren Blick für ihre derzeitige Situation. Wir haben heute gemeinsam sehr viel gelernt, über die hiesigen Machtverhältnisse, über Opportunismus und Angst, aber auch viel Solidarität und positive Energie erlebt. Zuletzt stellten die Geflüchteten Forderungen, die von einer Vertreterin der Stadt mündlich entgegen genommen wurden. Kein Mensch hat ihr wirklich abgenommen, dass sie die Forderungen ernst nimmt, zumal sie sich nicht einmal beim Gespräch filmen lassen wollte. Warum wohl? Schlussendlich sind dann alle zum Neckermangebäude und haben vor an der Umsetzung ihrer Forderungen weiter arbeiten.
Am Sonntag wollen wir mit den Geflüchteten gemeinsam überlegen, wie es weitergeht.
Kommt zur Welcome-Versammlung am Sonntag, 24.01.16, 11:00-15:00 DGB-Haus

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Unsere Aktivitäten der letzten Woche

Nachdem wir den Jahreswechsel überstanden haben, trafen wir uns letzte Woche Mittwoch mit dem Koordinierungsrat, um unsere kommende Versammlung der Aktiven von WELCOME am 24.01.2016 zu besprechen. Dazu folgen noch mehr Infos. Des Weiteren treffen sich Aktivistinnen und Aktivisten, Geflüchtete und andere, jeden Freitag nachmittags, um die Facebookseite auf Dari mit Infos zu füllen und Afghanistan-spezifische Fragen zu besprechen. Es kamen einige neue dazu. Sie berichteten uns von einer Versammlung, die sie abhalten wollten, die aber durch die Security aufgelöst wurde. (Dazu werden wir berichten – zurzeit läuft noch eine Anfrage an die Trägerin AWO- wenn bis morgen Donnerstag 21.01.2016 keine Antwort da ist, veröffentlichen wir den Bericht der Geflüchteten). Des Weiteren baten sie uns bei der KOLPING gGmbH nachzufragen, warum die Geflüchteten aus Afghanistan keine Deutschkurse bekommen. Das haben wir getan und auch ziemlich schnell eine Antwort bekommen. Die Anbieter bekommen ihre Finanzierung von der Agentur für Arbeit und diese sagt ganz klar, dass Deutschkurse nicht für Geflüchtete aus Afghanistan finanziert werden. Wir werden auch hier eine schriftliche Anfrage machen. Viele der geflüchteten Menschen aus Afghanistan können es nicht fassen, dass sie aus den Kursen wieder herausgenommen wurden. Heute formulierte eine Frau, dass sie das als erniedrigend empfindet. 

Schlussendlich verabredeten wir uns für den Samstag, 16.01.2016 in der Zentralbibliothek in der Töngesgasse, um dort Bibliotheksausweise zu machen und die Nutzung der Computer und auch der Multi-Media-Deutschkurse zu ermöglichen. Wir stellten mit Freude fest, dass 27 Geflüchtete aus der Unterkunft in Fechenheim da waren. Wir wurden in der Bibliothek sehr herzlich empfangen und wollen uns an dieser Stelle für die Gastfreundschaft bedanken. Die Geflüchteten wollen jetzt die Möglichkeiten, die sich ihnen dort bieten, nutzen, zumal sie eben sonst kaum die Möglichkeit haben, sich weiterzubilden und Deutsch zu lernen.

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